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Die redaktionelle Prämisse dieser Sonderausgabe ist, dass das Sprichwort „Kunst und Geld vermischen sich nicht“ jetzt völlig unhaltbar ist. Wie in unserem ausführlichen Interview mit Clare McAndrew ausführlich dargelegt, ist der Kunstmarkt in den letzten zwanzig Jahren rasant gewachsen und hat zu systemischen und strukturellen Veränderungen im Kunstbereich geführt. Für einige ist dieses Wachstum des Marktes und seine Bedeutung für die Kunst ein institutionelles Unglück, das trotz all seiner Auswirkungen für die normative Behauptung, Kunst und Geld sollten es nicht, keine Rolle spieltmischen. Diese alltägliche Prämisse versucht, die Heiligkeit oder Romantik der Kunst von den geschäftlichen Machenschaften der Marktmechanismen abzuhalten, wie Oscar Wildes Definition des Zynismus („den Preis von allem und den Wert von nichts kennen“) beredt zusammenfasst. Diese Ausgabe lehnt diesen normativen Moralkodex ab, und zwar genau aus den eben genannten Gründen: Mittlerweile durchdringen die Interessen des Kunstmarktes das gesamte Kunstsystem. Die Interessen des Kunstmarktes prägen, was wo ausgestellt wird; Welche Arten von Diskursen zirkulieren um welche Kunst (oder sogar als Kunst) und in welchen Sprachen? und was im Allgemeinen als Kunst verstanden wird. Kurz gesagt, der Kunstmarkt, der hauptsächlich aus Sammlern, Sterbegeldversicherung Galerien und Auktionshäusern besteht, ist heute der Haupttreiber für das, was in der Kunst wertvoll ist .

Und nicht nur Wert und Bewertung werden durch die jüngste Expansion des Kunstmarktes verändert. Zusammen mit dem zunehmenden Interesse von Finanzunternehmen und Einzelpersonen aus diesem Sektor als private Sammler-Investoren an Kunst war die Expansion der Finanzmärkte in einer Zeit auch durch ein schnelles Wachstum des Kunstmarktes und eine zunehmende Macht innerhalb des Kunstbereichs für seine stark kommerzialisierten Betreiber gekennzeichnet kann zusammengenommen eine gemeinsame Bestätigung von Spekulation und Risiko in diesen Sektoren nahe legen. Die Spekulationen der zeitgenössischen Kunst und das Auflösen stabiler Bedeutungen oder Koordinaten werden durch risikobasierte, spekulative Akkumulationsstrategien auf der Seite der Finanzen selbst erfüllt.

So bequem eine solche formale Erklärung auch sein mag, sie stützt sich jedoch auf zwei abstrakte Substantive (Spekulation und Risiko), die in jedem dieser Sektoren unterschiedliche Bedeutungen haben. “Spekulation” in der zeitgenössischen Kunst identifiziert ihrerseits die Manifestation innovativer semantischer und kultureller Möglichkeiten, die realisiert werden, weil sie keine Definition haben und konzeptionell anpassbar sind. “Risiko” ist hier die Verschiebung der semantischen Sicherheit und ihrer Auswirkungen. Bestenfalls führt diese Verschiebung von Konventionen zu einer Zukunft, die weniger vorprogrammiert ist. Im Finanzbereich hingegen werden sowohl “Spekulation” als auch “Risiko” als Bedingungen für die Kapitalakkumulation mobilisiert, die sich auf eine unbekannte Zukunft stützen, um Interventionen in den Märkten zu bestimmen. Ungeachtet der Ausnahmen von ‘Black Swan’ Die Bedeutung des Risikos wird im Finanzwesen durch standardisierte Metriken stabilisiert (nicht zuletzt durch den Markt selbst als betriebliche Einschränkung). Während Kunst als alternative Anlage zur Absicherung und Diversifizierung von Portfolios gegen Risiken in traditionellen Anlageklassen in das Finanzwesen integriert wurde, dient zeitgenössische Kunst dazu, den Wert kunstbasierter Portfolios (Sammlungen) zu nutzen, und bietet dadurch Liquiditäts- und Arbitrage-Möglichkeiten in den Gesamtmarkt.

Finanzen und zeitgenössische Kunst können daher nicht anhand dieser beiden Begriffe identifiziert werden. Aus den in den ersten Zeilen genannten praktischen und historischen Gründen können sie jedoch auch nicht entwirrt werden. Die https://oyla2.de/unfallversicherung/Unterscheidung zwischen Arten von spekulativen Risiken dient als nützliches Schema, um die Schlüsselthemen zu formulieren, die von den Mitwirkenden an diesem speziellen Thema aufgegriffen wurden. Auf der einen Seite dieser Unterscheidung werden im Interview mit McAndrew, den Artikeln von, die Umwandlung des Kunstmarktes in eine zunehmend finanzorientierte Konfiguration sowie deren Konsequenzen für die historisch-konventionellen Ansprüche der zeitgenössischen Kunst auf semantischen und affektiven Wandel erläutert Victoria Ivanova und Laura Lotti sowie die Kunstprojekte von Offshore und ISCA. Auf der anderen Seite sind die Artikel von Emily Rosamond und Christopher Wood et al.,

Ein besonderer Schwerpunkt der letztgenannten Beiträge liegt auf der Blockchain-Technologie, die Bitcoin zugrunde liegt: einem automatisierten verteilten Hauptbuch, das eingesetzt werden kann, um die derzeitige kritische Rolle des Händlers im Kunstsystem zu transformieren. Die Blockchain-Technologie und andere Fortschritte in der „Fintech“ werden im Finanzsektor als Störer seiner konventionellen institutionellen Strukturen gefördert (von Rosamond um Anleihen mit sozialer Wirkung erweitert). Unser Interesse an solchen ‚Störung‘ ist nicht nur , dass die Mechanismen der Akkumulation sind erschüttert, sondern auch ihre Bedeutung. Yet, as several of the contributors to this special issue contend, what is no less significant here is that the relay between finance and art also partially reworks each of these sectors, both by changing the dynamics of the art field as a whole and by reconfiguring the transactions of particular exchanges, not to mention challenging the very distinction between finance and art as sectors.

Abschließend können wir hinzufügen, dass unsere redaktionelle Haltung darin besteht, die Interaktion und Manipulation von Kunst und Finanzen auf beiden Seiten als positive Bedingung für die Veränderungen, die die Finanzen als sektorales, technisches und operatives System bewirken, in den Vordergrund zu rücken. Wir haben absichtlich keine Beiträge angefordert, die Allegorien, Figurationen, Metaphern oder andere mythisierende Finanzkarikaturen liefern, obwohl diese Ansätze in der zeitgenössischen Kunst wohl häufiger und in der konventionellen kritischen Haltung zu „Finanzgesellschaften“ sicherlich stärker vertreten sind. Für uns dienen solche kritischen Überstellungen dazu, das Finanzwesen als Sektor und technischen Apparat im breiteren Kulturraum weiter zu mystifizieren und die mutmaßliche Äußerlichkeit der Kunst zu bewahren.